Alle werden wir früher oder später unser Leben beenden.Das liegt in der Natur der Dinge.
Dr. Luca Calabrese, Primar der HNO-Abteilung im Gesundheitsbezirk Bozen, und Dr. Guido Singer, Vorsitzender der Zahnärztekommission, stellten ein neues Projekt zur schnelleren Erkennung von Kopf-Hals-Tumoren vor. Ziel ist es, verdächtige Veränderungen im Mund-, Kopf- und Halsbereich frühzeitig beurteilen zu lassen, unkompliziert und schnell über ein Telekonsultationssystem. „In Südtirol gibt es jährlich etwa 20 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner im Bereich der Kopf-Hals-Tumoren, was über dem nationalen Durchschnitt liegt“, erklärt Dr. Calabrese. „Besonders Männer im mittleren Lebensalter suchen oft erst spät Hilfe. Leider sehen wir rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten erst in einem fortgeschrittenen Stadium.“
Zahnärztinnen und Zahnärzte nehmen hier eine Schlüsselrolle ein: Sie werden in der Regel regelmäßig konsultiert und genießen großes Vertrauen. Entdecken sie im Rahmen einer Kontrolle oder Behandlung eine auffällige Schleimhautveränderung oder eine andere verdächtige Stelle, können sie künftig unmittelbar handeln. Über ein neues System der Telekonsultation übermitteln sie die relevanten Patientendaten sowie erforderliche Informationen direkt an das Fachärzteteam im Krankenhaus Bozen. Dieses erläutert den Fall gemeinschaftlich, es folgt eine rasche Videokonsultation, im Rahmen derer ev. Kontrollen oder Behandlungen vereinbart werden.
Auch Dr. Hubert Messner, Landesrat für Gesundheit, betont die Bedeutung des Projekts: „Diese Initiative steht beispielhaft für die enge Vernetzung zwischen Krankenhaus und wohnortnaher Versorgung, an deren Ausbau wir auch in anderen Fachbereichen arbeiten. Dadurch können unnötige Fachvisiten vermieden werden, gleichzeitig werden kritische Entwicklungen frühzeitig erkannt – das kann Leben retten.“
Der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Dr. Christian Kofler, freut sich über dieses neue Angebot der Telemedizin und hebt die Vorteile für die Patientinnen und Patientinnen hervor: „Manchmal werden aus Unsicherheit oder Angst empfohlene Abklärungen verschoben oder verschleppt. Oder es wird vorschnell die Notaufnahme aufgesucht. Durch die kostenlose fachärztliche Ersteinschätzung – quasi schon im Studio des Zahnarztes – schaffen wir ein neues Angebot und es können zwischen Zahnarzt und Facharzt im Krankenhaus sofort die nötigen weiteren Schritte vereinbart werden.“
Für die Zahnärzteschaft bedeutet das Projekt eine wertvolle Unterstützung im Praxisalltag. „Nach einer kurzen Schulung, die regelmäßig im Krankenhaus Bozen angeboten wird – die nächste findet bereits am 7. März statt –, können wir unkompliziert und ohne großen bürokratischen Aufwand die Expertise des Fachärzteteams im Krankenhaus einholen“, erklärt Dr. Guido Singer, Vorsitzender der Zahnärztekommission der Provinz Bozen. „Das ist eine klassische Win-Win-Situation – für die Zahnärztinnen und Zahnärzte ebenso wie für die Patientinnen und Patienten. Wir Zahnärzte sind flächendeckend auf das ganze Land verteilt und können somit ein wirkungsvolles Screening anbieten. Durch dieses Projekt erhält die Bevölkerung einen Zusatzdienst, indem wir eine italienweit einzigartige Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Gesundheitsdienst und den privaten Zahnärzten anbieten.“
Auch Dr.in Dagmar Regele, Primaria des Departements für Prävention, unterstreicht die Bedeutung der Initiative für die Gesundheitsvorsorge: „Jede Krebserkrankung, die früher erkannt und behandelt werden kann – etwa Tumoren im Bereich der Mundhöhle –, verbessert die Heilungschancen deutlich. Dieses Pilotprojekt ist ein wichtiger Schritt in Richtung systematischer Früherkennung.“
Das eingesetzte System zur Telekonsultation ist Teil der Informatisierungs-Strategie des Südtiroler Sanitätsbetriebes.
