Nach langer Abwesenheit gibt es wieder gesicherte Nachweise für die Anwesenheit der scheuen Pinselohren in den heimischen Wäldern. Experten sprechen von einem wichtigen Meilenstein für den alpinen Artenschutz.

Er gilt als das sprichwörtliche „Phantom des Waldes“ und war in unseren Breiten lange Zeit gänzlich verschwunden: der Eurasische Luchs. Nun verdichten sich die Beweise, dass die größte europäische Raubkatze ihren Weg zurück in die Südtiroler Natur gefunden hat. Aktuelle Aufnahmen von Wildkameras und Trittsiegel im Schnee bestätigen, was Naturschützer schon länger gehofft hatten.
Die Rückkehr des Luchses ist eine kleine Sensation für die heimische Biodiversität. Im Gegensatz zu Wolf und Bär meidet die extrem scheue Katze mit den charakteristischen Pinselohren menschliche Siedlungen fast vollständig und bewegt sich lautlos durch dichte, unzugängliche Waldgebiete. Dass sich nun wieder einzelne Exemplare in Südtirol aufhalten, werten Experten des Landesamtes für Jagd und Fischerei als deutliches Zeichen für die hohe Qualität und Ursprünglichkeit der hiesigen Lebensräume.
In den vergangenen Wochen konnten Wildhüter und Forstbeamte mehrfach eindeutige Spuren der Tiere dokumentieren. Besondere Aufmerksamkeit erregten dabei Aufnahmen aus aufgestellten Fotofallen in entlegeneren Tälern, die einen gesunden, ausgewachsenen Luchs auf seinen nächtlichen Streifzügen zeigen. Es wird vermutet, dass die Tiere aus benachbarten Populationen im Trentino oder dem Schweizer Engadin über die Berge nach Südtirol eingewandert sind.
Für die Landwirtschaft und die Bevölkerung stellt die Rückkehr der faszinierenden Wildkatze in der Regel kein Problem dar. Der Luchs ist ein spezialisierter Jäger, dessen Speiseplan hauptsächlich aus Reh- und Gamswild besteht; Übergriffe auf Nutztiere bilden die absolute Ausnahme. Um die Entwicklung der noch sehr fragilen Population wissenschaftlich zu begleiten, intensivieren die zuständigen Landesämter nun das landesweite Monitoring-Programm.
Die Experten rufen Spaziergänger und Wanderer dazu auf, mögliche Sichtungen oder verdächtige Spuren im Schnee umgehend dem zuständigen Forstamt zu melden. Nur durch eine engmaschige Beobachtung könne man sicherstellen, dass dem heimlichen Rückkehrer auch langfristig ein sicherer Lebensraum in Südtirol geboten wird.
