Gleiche Leistung, ungleicher Lohn: Südtirol rückt den Gender Pay Gap in den Fokus

Mit dem „Equal Pay Day“ am 11. April machen der Landesbeirat für Chancengleichheit und zahlreiche Partner auf anhaltende Einkommensunterschiede aufmerksam.

Group photo of diverse individuals holding red tote bags, gathered in a large hall with a colorful banner displaying the date 17.04.2026.
Foto: LPA/Fabio Brucculeri

Am Ende des Monats haben Frauen in Südtirol im Durchschnitt für vergleichbare Arbeit oft weniger Geld auf dem Konto als ihre männlichen Kollegen. Umgerechnet auf eine Vollzeitstelle in der Privatwirtschaft beträgt diese Differenz, der sogenannte Gender Pay Gap, aktuell 17,3 Prozent. Um diese alltägliche Realität sichtbar zu machen und den gesellschaftlichen Dialog zu fördern, findet am Freitag, den 11. April, landesweit der „Equal Pay Day“ statt.

Unter dem Leitgedanken „Entgeltdiskriminierung beenden, Gleichheit schaffen!“ rufen der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen und 66 Partnerorganisationen dazu auf, das Thema Lohngerechtigkeit offen zu thematisieren. An insgesamt 51 Informationsständen in ganz Südtirol suchen Vertreterinnen und Vertreter an diesem Tag den direkten Austausch mit der Bevölkerung, um für die finanziellen Realitäten im Berufsleben zu sensibilisieren.

Blick auf Freiberuflerinnen und Unternehmen

Während die Lohnschere bei Angestellten durch Gehaltsabrechnungen zunehmend besser dokumentiert wird, richtet die diesjährige Initiative den Fokus bewusst auch auf Freiberuflerinnen und unternehmerische Strukturen. Auch in diesen Bereichen, in denen Honorare und Aufträge oft individuell verhandelt werden, lassen sich in der Praxis deutliche Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen.

Ulrike Oberhammer, die Präsidentin des Landesbeirates, unterstrich bei der Vorstellung der Kampagne die Notwendigkeit von strukturellen Werkzeugen. Als einen wichtigen Schritt nannte sie die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz, die bis 2026 in staatliches Recht umgesetzt werden muss. Diese Vorgabe sieht vor, dass künftig nicht nur Grundgehälter, sondern sämtliche Zahlungen und Vergütungen transparenter gestaltet werden müssen, um versteckte Ungleichbehandlung zu erschweren.

Der Einfluss der Arbeit zu Hause

Die finanzielle Eigenständigkeit von Frauen wird nicht allein am Arbeitsplatz verhandelt, sondern beginnt oft bei den Strukturen im familiären Umfeld. Bei der Präsentation in Bozen wurde betont, wie entscheidend die Aufteilung der Care-Arbeit ist. Die Organisation von Haushalt und Familie sei eine reale Arbeitsleistung, die Auswirkungen auf die Erwerbsbiografie habe und bei der finanziellen Planung innerhalb von Partnerschaften mitgedacht werden müsse.

Ergänzend dazu beleuchtete die Vizepräsidentin des Beirates, Nadia Mazzardis, die kulturellen Faktoren. Nach wie vor seien es oft unbewusste Zuschreibungen und traditionelle Rollenbilder, die Frauen in der Arbeitswelt ausbremsen oder bei der Gehaltsfindung benachteiligen.

Der Equal Pay Day dient als Informationsplattform, um die abstrakten statistischen Prozentwerte auf den konkreten Alltag herunterzubrechen. Die Begegnungen an den landesweiten Infoständen sollen Raum bieten, um über die Bewertung von Arbeit, Gehaltsstrukturen und die zwischenmenschliche Aufteilung von Pflichten sachlich ins Gespräch zu kommen.