Tabubruch auf der Bühne: Südtiroler Seniorentheater in Deutschland ausgezeichnet

Die Theatergruppe „Überholspur“ gewinnt mit einem selbst entwickelten Stück über Intimität im Alter einen internationalen Preis und zeigt, wie soziale Teilhabe gelingen kann.

A group of six people joyfully posing together in front of a black curtain, holding a poster and celebrating.
Foto: Südtiroler Theaterverband

Kunst bietet die Möglichkeit, unausgesprochene Themen greifbar zu machen und Menschen in den Austausch zu bringen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der jüngste Erfolg der Seniorentheatergruppe „Überholspur“. Mit ihrem Bühnenwerk „Unerhört – Sex im Alter“ sicherte sich das Ensemble des Südtiroler Theaterverbandes Ende März den ersten Preis bei den 41. Theatertagen am See im deutschen Friedrichshafen.

Die Auszeichnung bei dem internationalen Amateurtheaterfestival rückt nicht nur die schauspielerische Leistung in den Fokus, sondern vor allem die menschliche Auseinandersetzung mit einer Lebensrealität, die im Alltag oft ausgeklammert wird. Das Stück behandelt die Facetten von Sexualität und Intimität in der späten Lebensphase – ein Bereich, der im gesellschaftlichen Diskurs nach wie vor stark von Schweigen oder Vorurteilen geprägt ist.

Gemeinsame Entwicklung als sozialer Prozess

Hinter dem Erfolg auf der Bühne steht ein intensiver zwischenmenschlicher Prozess. Das Ensemble hat das Stück nicht nach einem vorgefertigten Skript einstudiert, sondern die Inhalte selbst recherchiert und in der Gruppe erarbeitet. Begleitet von der Theaterpädagogin Maria Thaler Neuwirth flossen dabei persönliche Beobachtungen und Erfahrungen in die Inszenierung ein. Dieser kollaborative Ansatz zielte darauf ab, das Selbstvertrauen der Mitwirkenden zu stärken und durch die regelmäßigen Proben die direkte soziale Teilhabe zu fördern.

Bereits im vergangenen Jahr war die Gruppe mit Gastspielen in verschiedenen Südtiroler Gemeinden unterwegs. Bei diesen Auftritten zeigte sich, dass die Inszenierung eine verbindende Wirkung entfaltet: Das Stück bot dem Publikum eine Plattform, um nach dem Fallen des Vorhangs über das Gesehene zu lachen, gemeinsam zu diskutieren und eigene Perspektiven zu reflektieren.

Sichtbarkeit für die ältere Generation

Für die Landesregierung, die das Projekt im Rahmen ihrer Initiativen zum aktiven Altern unterstützt, dokumentiert das Theaterstück ein anschauliches Beispiel für gesellschaftliche Einbindung. Sozial- und Seniorenlandesrätin Rosmarie Pamer ordnete den Erfolg sachlich ein und betonte, dass Initiativen wie diese eine Bereicherung für das gesellschaftliche Miteinander darstellen.

Die Arbeit der Gruppe „Überholspur“ verdeutlicht auf praktische Weise, wie Seniorinnen und Senioren durch kreativen Ausdruck sichtbar bleiben, aktiv am öffentlichen Diskurs teilnehmen und gleichzeitig dazu beitragen können, alltägliche Berührungsängste gegenüber sensiblen Themen abzubauen.