Ukraines Schwarze Erde30 / 09 / 2025
Die Ukraine, seit 2014 im Konflikt mit Russland, hat fruchtbare Schwarze Erde, die hohe Erträge bringt und 56 Prozent der Landfläche ausmacht. Dies entspricht über 32 Millionen Hektar Ackerland, was einen großen Teil der EU-Agrarfläche darstellt. Die Ukraine ist das zweitgrößte Land Europas und besitzt bedeutende Bodenschätze. Vor dem Krieg war sie ein wichtiger Exporteur von Agrarprodukten wie Mais und Weizen. Jährlich wurden rund 60 Millionen Tonnen Getreide produziert, wovon über 50 Prozent exportiert wurden. Nach dem Krieg verschlechterten sich die Bedingungen für den Anbau und Vertrieb. Die Ukraine wird seit 2014 finanziell und militärisch aus dem Westen unterstützt. Russland blockierte nach Kriegsbeginn die Seeausfuhren, was zu Engpässen in Entwicklungsländern führte. Im Juli 2022 wurde ein Abkommen für sicheren Getreideexporte geschlossen, doch Russland verweigerte die Verlängerung im Juli 2023. Trotzdem setzte die Ukraine ihre Exporte über das Schwarze Meer fort.
Ganz im Stillen ist nach der Machtübernahme durch die prowestliche Kiewer Regierung die Einflussnahme des Westens auf die ukrainische Wirtschaft erfolgt. Nachdem gleich 2014 viele Vorstandsposten und Führungspositionen von Angehörigen der US-Politikerkaste besetzt wurden (dazu vom Autor: „Die Eroberung Europas durch die USA“, Frankfurt/Main: Westend, 2017, S. 48 f.), begannen die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen und der Kampf um die Schwarze Erde. Das vom ehemaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch abgelehnte und von Petro Poroschenko unterzeichnete Assoziierungsabkommen mit der EU, für das der Internationale Währungsfonds (IWF) seinerzeit 17 Millionen Dollar bereitgestellt hatte, war an Bedingungen geknüpft, die den Interessen der USA, Großbritanniens und der EU dienten.
So wurde das Verbot des Landverkaufs von der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, auf Druck des Westens mit dem Ziel einer „Marktliberalisierung“ gelockert, sodass westliche Agrarkonzerne Zugriff erhielten. In einer Anfrage aus der Fraktion der PfE (Patrioten für Europa) im Europäischen Parlament vom 13. November 2014 an die EU-Kommission heißt es unter dem Rubrum „Ukrainisches Ackerland zunehmend in US-Besitz“: „Mehreren beunruhigenden Berichten zufolge kaufen vor allem US-amerikanische, aber auch saudische Agroindustrie- und Investmentunternehmen in großem Umfang ukrainisches Ackerland auf. Cargill, ADM, Blackrock, Oaktree Capital Management und Bunge Limited haben Berichten zufolge die Kontrolle über einen Großteil des ukrainischen Ackerlandes erlangt.“
Der Ökonom Frédéric Mousseau, Direktor am Oakland Institute in Kalifornien, schrieb dazu 2015: „Nach der Machtübernahme durch die prowestliche Regierung leitete der IWF als Vorbedingung für die Kreditvergabe ein Reformprogramm ein, das auf die Förderung von Privatinvestitionen im Lande abzielte. Das Maßnahmenpaket beinhaltete auch die Reform der öffentlichen Wasser- und Stromversorgung und die Beseitigung dessen, was die Weltbank als ‚strukturelle Ursachen‘ der derzeitigen ukrainischen Wirtschaftskrise bezeichnet hat: die hohen Kosten für Unternehmen, die in dem Land Geschäfte machen. Der ukrainische Agrarsektor gehört zu den vorrangigen Zielen ausländischer Privatinvestitionen und wird vom IWF und von der Weltbank deshalb als prioritär reformbedürftig eingestuft. Beide Finanzinstitutionen loben die Bereitschaft der neuen Regierung, ihren Empfehlungen zu folgen.“
Die 2014 auf den Weg gebrachte „Agrarreform“ bereitete den „erleichterten Zugang zu Agrarland, weniger Regulierung und Kontrollen im Nahrungsmittel- und Nutzpflanzensektor und die Senkung von Steuern und Zöllen für Unternehmen vor“, so Mousseau. Seine Recherche entspricht der Anfrage an die EU-Kommission vom 13. November 2014: „Mehreren beunruhigenden Berichten zufolge kaufen vor allem US-amerikanische, aber auch saudische Agrar- und Investmentunternehmen in großem Umfang ukrainisches Ackerland auf. So sollen Cargill, ADM, Blackrock, Oaktree Capital Management und Bunge Limited die Kontrolle über weite Teile des ukrainischen Ackerlandes erlangt haben.“
Mousseau beobachtete: „Der Aufwand für den ukrainischen Agrarsektor mit seinen fruchtbaren Böden könnte nicht höher sein.“ Er erklärte weiter: „Der Wettkampf um die Kontrolle des Landwirtschaftssektors ist ein entscheidender Faktor im größten Ost-West-Konflikt seit dem Kalten Krieg. Agrarkonzerne wie Monsanto, Cargill und DuPont sind schon lange in der Ukraine aktiv und haben ihre Investitionen in den letzten Jahren stark erhöht. Auch wenn die Ukraine die Produktion von genetisch verändertem Saatgut nicht zulässt, enthält das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU, das zur Absetzung von Janukowitsch beitrug, eine Klausel, die beide Partner dazu verpflichtet, ‚die Nutzung der Biotechnologie im Land auszubauen‘“ – ein „Schlüssel, den große Agro- und Saatgutkonzerne wie Monsanto benötigen, um ihre Genprodukte in Europa zu verkaufen“.
Der Ukraine-Krieg und die Flüchtlingsproblematik haben viele Informationen überschattet. Seit dem Regimewechsel 2014 wurde ein ganzes Land schrittweise von ausländischen Kräften übernommen, was der Öffentlichkeit weitgehend verborgen blieb. Zudem hätte der Krieg, wie Donald Trump sagte, vermieden werden können. Am 19. Mai 2025 erklärte er: „Das ist nicht mein Krieg. Wir haben uns in etwas verstrickt, in das wir nicht hätten hineingezogen werden dürfen.“
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