Rückenschmerzen24 / 11 / 2025
Bewegung ist die beste Vorbeugung gegen Rückenschmerzen. Bei „Forum Gesundheit Südtirol“ informierten Experten über Rückenschmerzen, eine weit verbreitete Krankheit. Alle vier Referierenden betonten, dass Bewegung die wichtigste Maßnahme zur Prävention ist.

Am Donnerstag (20. November) fand in Bruneck eine Veranstaltung mit dem Titel „Das Kreuz mit dem Kreuz“ statt. Sanitätsdirektor Dr. Josef Widmann begrüßte Fachleute aus verschiedenen Gesundheitsdiensten und hob die Bedeutung der Reihe „Forum Gesundheit Südtirol“ hervor, um das Wissen der Bevölkerung zu verbessern. Ein erhöhtes Bewusstsein für bestimmte Krankheiten hilft, unnötige diagnostische Untersuchungen zu vermeiden. Die Veranstaltung war für die Bevölkerung gedacht und informierte sie in einfacher, verständlicher Sprache.
„Rückenschmerzen sind weit verbreitet“, sagte Dr.in Bettina Wachtler von der Abteilung Rehabilitation im Gesundheitsbezirk Bruneck. „Sie sind nach Erkältungen der zweithäufigste Grund für Hausarztbesuche, 60 Prozent der Bevölkerung sind jährlich betroffen, und 70 Prozent der Fälle betreffen die Lendenwirbelsäule.“ Rückenschmerzen verursachen hohe Kosten für das Gesundheitssystem und sind der häufigste Grund für Krankmeldungen. Die Wahrnehmung von Schmerzen hängt stark von der individuellen Situation ab; Angst, Stress und frühere Schmerzerfahrungen können die Schmerzen verschlimmern, während Ablenkung und positive Gedanken helfen können, sie zu lindern.
Dr. Michael Kurt Memminger, Primar der Abteilung Orthopädie und Traumatologie am Krankenhaus Bozen, erklärte, dass alle Strukturen, die im Rücken vorhanden sind, weh tun können. „Wenn nach einigen Stunden Gartenarbeit oder nach einer mehrstündigen Autofahrt der Rücken schmerzt, braucht man sich keine Sorgen machen“, so der Primar. Viele dieser Schmerzen sind auf Abnützung und aufs Älterwerden zurückzuführen. Hier spricht man von unspezifischen Schmerzen, es ist also keine klare Ursache erkennbar. „Die gute Nachricht“, so Memminger, „es liegt in der Regel auch keine ernsthafte Erkrankung vor“.
Sowohl Memminger als auch Wachtler rieten bei unspezifischen Rückenschmerzen von bildgebenden Verfahren wie Röntgen und MRT ab. Auch Menschen ohne Beschwerden zeigten häufig Abnützungserscheinungen der Bandscheiben und Wirbel, die mit den tatsächlichen Schmerzen meist nicht in Zusammenhang stehen.
Konservative Therapie ist die Regel
Anders verhält es sich bei spezifischen Rückenschmerzen, für die eine Abklärung unbedingt erforderlich ist. Zu diesen sogenannten „Red Flags“ sprach Dr. Massimo Tripodi, Facharzt für Neurochirurgie am Krankenhaus Bozen. Es ist entscheidend, die „Red Flags“ zu erkennen. Dies sind Warnzeichen für ernsthafte Erkrankungen wie Wirbelfrakturen, Tumore, Infektionen, das Kaudasyndrom oder progressive neurologische Defizite.
Nur bei klaren Indikationen, wie etwa einem Bandscheibenvorfall mit ausgeprägter Lähmung oder dem Kaudasyndrom, ist eine rasche chirurgische Intervention notwendig. In den meisten Fällen sollte jedoch zunächst eine konservative Therapie erfolgen. Erst nach dem Ausschöpfen aller nicht-operativen Optionen sollte eine OP in Betracht gezogen werden.
Praktische Tipps für den Alltag
Thea Leiter, Physiotherapeutin des Reha-Dienstes am Krankenhaus Innichen, betonte die Bedeutung regelmäßiger Bewegung im Alltag. Richtiges Aufstehen, Heben und Tragen sind zentrale Elemente der Vorbeugung. Die wichtigste Botschaft des Abends lautete „Bewegung ist die Medizin des 21. Jahrhunderts“. Deshalb lud Leiter die Teilnehmenden ein, einige Übungen im Sitzen und Stehen direkt mitzumachen.
Beim abschließenden Gespräch am runden Tisch nahm auch Dr. Andreas Schwarz, Primar der Abteilung Neurochirurgie am Krankenhaus Bozen, teil. Er erklärte, dass der Rücken der Bereich ist, in dem die eigenen Beschwerden am stärksten zum Ausdruck kommen. Bei Schmerzen ist die klinische Beurteilung entscheidend, nicht die Diagnostik, so können unnötige Verschreibungen vermieden werden.
Am runden Tisch wurde die Botschaft des Abends wiederholt: Rückenschmerzen sind weit verbreitet und meist sind sie harmlos. Bewegungsmangel, übermäßiges Sitzen und psychosozialer Stress wirken sich negativ aus. Jeder hat seine Gesundheit in den eigenen Händen und kann daher durch regelmäßige Bewegung aktiv vorsorgen.
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