Wie sicher sind hochfrequente elektromagnetische Felder wirklich?25 / 11 / 2025

Eine umfassende Bewertung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) analysierte die aktuellen gesundheitlichen Risiken mit österreichischer Beteiligung und stellte die Ergebnisse bei den 35. Grazer Fortbildungstagen der Ärztekammer Steiermark 2025 vor. Die Nutzung hochfrequenter elektromagnetischer Felder (RF-EMF, Frequenzbereich 100 kHz bis 300 GHz) steigt seit den 1950er-Jahren an. „Funkstrahlung ist in unserer modernen Umwelt überall“, sagte DI PhD Gernot Schmid, Senior Applied Researcher und Projektleiter im Bereich Elektromagnetische Verträglichkeit der Seibersdorf Laboratories.
RF-EMF breiten sich als elektromagnetische Wellen aus und erzeugen durch Absorption Wärme. Diese Temperaturerhöhungen werden in der Technik und Medizin genutzt, zum Beispiel in der Magnetresonanztomographie oder bei der Diathermie sowie in Mikrowellenherden. Telekommunikationssysteme wie Radio, Fernsehen, Mobilfunk, WLAN und Bluetooth sind dafür ungeeignet, da sie Informationen und nicht Energie übertragen.
Bislang war unklar, ob neben den bekannten thermischen Effekten auch nicht-thermische Wirkungen relevant sein können, auch wenn die Expositionsgrenzwerte eingehalten werden. Ende der 1990er- Jahre gab es einen Forschungsboom zu diesem Thema. Der Experte, der sich seit 1997 mit den Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper beschäftigt, berichtet von über 3.500 Publikationen zu Hochfrequenzfeldern. Die wissenschaftlichen Daten sind jedoch inkonsistent, mit vielen untersuchten Endpunkten und teils widersprüchlichen Ergebnissen.
IARC-Klassifizierung und Forschungslage
Die International Agency for Research on Cancer (IARC) stufte HF-Felder im Jahr 2013 als „möglicherweise karzinogen für den Menschen“ ein. „Wichtig ist im Hinterkopf zu behalten, dass die Einstufung nur eine Klassifizierung ist“, betonte Schmid. Sie bedeutet lediglich, dass ein Zusammenhang mit Kanzerogenität nicht ausgeschlossen werden kann. „Ob die Einwirkung im Zusammenhang mit Kanzerogenität steht, hat aber nichts mit dem tatsächlichen Risiko in der Praxis zu tun. Für die Bewertung wurden ausschließlich Studien zu Kopftumoren und Mobilfunknutzung gesichtet. „Andere Krebsarten oder HF-Quellen wie Sendestationen sind definitiv keine Grundlage für die Einstufung.“
Um der Polarisierung und Fehlinterpretation entgegenzuwirkend, startete die WHO eine objektive Bewertung der wissenschaftlichen Literatur. Unabhängige Expertenteams analysierten in zwölf systematischen Reviews zu zehn Themen die Evidenz zu verschiedenen Gesundheitsproblemen bei Menschen und Tieren. Untersucht wurden:
• Tumorentstehung
• Reproduktionsstörungen
• Kognitive Beeinträchtigungen
• Psychische Symptome
• Oxidativer Stress
„Der gemeinsame Nenner dieser Studien: Wenn Effekte berichtet werden, sind sie meist schwach“, sagte Schmid, der an zwei Reviews mitwirkte. Die Studien zu Kognition und Symptomen wie Tinnitus und Schlafstörungen zeigten keine konsistenten Zusammenhänge mit HF-Expositionen. „Die systematischen Reviews zeigen, dass die berichteten Beschwerden nicht mit der Exposition assoziiert sind“, so Schmid. „Die Beobachtungsstudien zu Handystrahlung und Kopftumoren zeigen, dass wenig bis kein Zusammenhang vorhanden ist.“
In Tierstudien wurden einige Effekte festgestellt. „Die Autoren geben jedoch zu, dass es schwierig ist, die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen“, sagte Schmid. Auch Biomarker für oxidativen Stress bieten nur sehr schwache Evidenz. „In den meisten Fällen sind die Ergebnisse inkonsistent und nicht klar nachvollziehbar“, so Schmid.
„Die Studienlage ist weiterhin widersprüchlich und unübersichtlich“, sagte Schmid und betonte die hohe Anzahl an qualitativ schlechten und methodisch unzureichenden Studien. Insbesondere in den Bereichen Reproduktion, Kognition und oxidativer Stress ist es wichtig, hochwertige Untersuchungen durchzuführen, bevor verlässliche Schlussfolgerungen möglich sind.
„Dank neuer systematischer Reviews wurde nun eine Grundlage für die Bewertung geschaffen. Die endgültigen Ergebnisse dieser Reviews wird die WHO in ein bis zwei Jahren veröffentlichen“, sagte Schmid.
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