Snami verlangt Aufmerksamkeit09 / 07 / 2026
SNAMI Bozen: Gegen die nationalen Entscheidungen, bereit zur Unterzeichnung des Landeszusatzabkommens – aber mit Verantwortung bei den Senioren- und Pflegeheimen
SNAMI Bozen, die mitgliederstärkste Gewerkschaft der Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin in Südtirol, bekräftigt ihre klare Ablehnung des nationalen Kollektivvertrags, der von FIMMG und SISAC unterzeichnet wurde. Dieser enthält organisatorische Entscheidungen, die aus unserer Sicht die berufliche Autonomie der Hausärztinnen und Hausärzte beeinträchtigen und die Qualität der territorialen Versorgung gefährden können.
Insbesondere kritisiert SNAMI die verpflichtende wöchentliche Präsenz in den Gemeinschaftshäusern, zusätzlich zur Tätigkeit in den eigenen Praxen, sowie die weiterhin ausbleibende Anerkennung der Allgemeinmedizin als Facharztdisziplin – eine seit Jahren zugesagte und erneut aufgeschobene Aufwertung. Wer die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte schwächt, gefährdet die wohnortnahe Versorgung, vor allem in peripheren Gebieten und für besonders fragile Patientinnen und Patienten.
Trotz dieser deutlichen Ablehnung der nationalen Entscheidungen ist SNAMI Bozen der Auffassung, dass die Umgestaltung der territorialen Medizin eine inzwischen unvermeidbare Herausforderung darstellt. Dieser Prozess muss jedoch mit konstruktivem Geist, Verantwortungsbewusstsein und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger gestaltet werden. Aus diesem Grund hat die Gewerkschaft in der vergangenen Woche ihre Bereitschaft zur Unterzeichnung des vom Gesundheitsressort vorgeschlagenen Landeszusatzabkommens erklärt.
Diese Bereitschaft entspringt dem Willen, aktiv zum Aufbau eines modernen, nachhaltigen Modells der territorialen Medizin beizutragen, das Versorgungskontinuität, Nähe der Betreuung und Schutz der vulnerabelsten Menschen gewährleistet – ohne dabei auf eine klare Benennung der weiterhin bestehenden kritischen Punkte zu verzichten.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen hat das Gesundheitsressort jedoch zusätzliche Bestimmungen zur medizinischen Betreuung in den Senioren- und Pflegeheimen eingebracht und damit ein Gleichgewicht verändert, das SNAMI weder aus organisatorischer noch aus versorgungsbezogener Sicht für tragbar hält.
SNAMI Bozen ist der Ansicht, dass in dieser Phase die geordnete und schrittweise Umsetzung der Reform der territorialen Medizin Priorität haben muss. Die Entwicklung der Gemeinschaftshäuser und der weiteren im Rahmen der Reform vorgesehenen Instrumente muss begleitet werden, ohne den Prozess gleichzeitig durch Eingriffe in einen besonders sensiblen Bereich wie jenen der Senioren- und Pflegeheime zusätzlich zu belasten.
Die Bewohnerinnen und Bewohner der Senioren- und Pflegeheime werden derzeit mit Professionalität und Kontinuität von Ärzteteams betreut, die im Laufe der Jahre spezifische Kompetenzen sowie ein stabiles Vertrauensverhältnis zu Patientinnen und Patienten, Angehörigen und dem Personal der Einrichtungen aufgebaut haben. Dieses professionelle und organisatorische Gut muss bewahrt und darf nicht durch übereilte Änderungen gefährdet werden.
Aus diesen Gründen fordert SNAMI Bozen das Gesundheitsressort auf, vorrangig jenen Teil des Landeszusatzabkommens umzusetzen, der die territoriale Medizin betrifft, und die vorgesehenen Änderungen zur medizinischen Betreuung in den Senioren- und Pflegeheimen vorerst auszusetzen. Dieser Bereich sollte zu einem späteren Zeitpunkt, mit angemessenen Fristen und echter gemeinsamer Abstimmung, erneut verhandelt werden.
SNAMI Bozen bekräftigt seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit konstruktivem Geist, institutionellem Verantwortungsbewusstsein und Verantwortung gegenüber dem Landesgesundheitssystem. Gleichzeitig wird sich die Gewerkschaft weiterhin entschieden gegen jede Maßnahme stellen, die die Qualität der Versorgung gefährden, die Hausärztinnen und Hausärzte benachteiligen oder den Schutz der fragilsten Patientinnen und Patienten schwächen könnte.
Unser Ziel bleibt der Aufbau einer modernen, flächendeckenden und wirklich bürgernahen territorialen Medizin, die auf Zusammenarbeit, Einhaltung getroffener Vereinbarungen und Aufwertung der zentralen Rolle der Allgemeinmedizin beruht.
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