Pariser Vertrag: Nach dem Feiern kommt der Kater07 / 09 / 2026 | HITRADIO SÜDTIROL Torggler Sigi
80 Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Vertrages wird ausgiebig gefeiert und geredet. „ Aber nach dem Feiern kommt der Kater – und damit die Realität“, so Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes .
Viele Altlasten sind bis heute nicht beseitigt: Faschistische Ortsnamen, das Regierungskommissariat und der Umgang mit faschistischen Bauten. Auch eine ehrliche italienische Aufarbeitung der Südtiroler Geschichte, insbesondere der Ereignisse der 1960er Jahre, fehlt. „Wie soll Versöhnung funktionieren, wenn die Geschichte nicht ehrlich aufgearbeitet wird? Geschichte lässt sich nicht wegrestaurieren“, so Lang.
Auch bei der Autonomiereform müssen wir genau hinschauen. Die Ansässigkeitsklausel, die italienische Vertretung im Gemeindeausschuss und der Begriff „Alto Adige“ sind besorgniserregend, ebenso wie die ungleiche Behandlung der deutschen Sprache bei Beipackzetteln und Lebensmittelkennzeichnungen. „Es kann nicht sein, dass Deutsch zwar Amtssprache ist, im Alltag aber oft als zweite Sprache gilt“, sagt der Heimatbund. Außerdem sollte Österreich uns die Chance geben, die 1920 verlorene österreichische Staatsbürgerschaft zurückzuerlangen.
Der SHB warnt eindringlich vor den Folgen der Zuwanderung für die Südtiroler Minderheit. Was nützt der beste Schutz, wenn wir eine Minderheit im eigenen Lande werden?
Gleichzeitig üben wir aber auch Selbstkritik: „Wie oft wechseln wir selbst ins Italienische, nur damit es schneller geht? Wenn wir unsere Muttersprache aus Bequemlichkeit selbst zurücknehmen, dürfen wir uns nicht wundern.“
Mehr Zivilcourage und Bodenständigkeit seien notwendig. „Wenn alles dem schnellen Geld untergeordnet wird, verliert ein Land irgendwann seine Seele.“ Lang erinnert an Silvius Magnagos Warnung von 1971: „Das Paket stärkt unsere Position. Trotzdem könnte es eine große Gefahr darstellen – die Gefahr der moralischen Verfettung.“
108 Jahre nach der Teilung Tirols und 80 Jahre nach dem Pariser Vertrag stellt sich die Frage: „Sind wir noch Südtiroler und wollen wir es sein?“ Die Antwort ist einfach: „Autonomie hilft uns, unsere Sprache, Geschichte und Identität zu bewahren. Den Willen dazu müssen wir selbst haben.“
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