80 Jahre Pariser Vertrag: Südtirols Minderheitenschutz im Wandel08 / 09 / 2026 | Robert
Experten diskutieren, wie das historische Abkommen den Sprach‑ und Verwaltungs‑Ausgleich künftig sichern kann und dabei neue europäische Herausforderungen berücksichtigen
Am 7. September fand in Bozen eine von der Universität Innsbruck und dem Zentrum für Regionalgeschichte organisierte Tagung statt. Unter dem Motto 80 Jahre Pariser Vertrag – Minderheitenschutz im Lichte neuer Herausforderungen kamen Wissenschaftler, Politiker, Juristen und Praktiker zusammen, um die Zukunft des Südtiroler Autonomiemodells zu prüfen.
Im Zentrum der Debatte stand die Frage, ob die im Pariser Vertrag verankerten Schutzbestimmungen den heutigen Anforderungen noch gerecht werden. Fernand de Varennes verortete den Minderheitenschutz im internationalen und europäischen Rechtsrahmen, während Walter Obwexer und Esther Happacher die Bedeutung des muttersprachlichen Unterrichts von der Grundschule bis zur Mittelschule hervorhoben. Die Diskussion machte deutlich, dass Sprache und Mehrsprachigkeit untrennbar mit dem Schutz der Minderheit verbunden sind.
Gleichberechtigung in Verwaltung und Justiz wurde von Thomas Mathà, Elena Covi und weiteren Experten thematisiert. Sie betonten, dass gesetzlich garantierte Sprachrechte nur wirksam werden, wenn sie im Alltag von Behörden und Gerichten umgesetzt werden. Der Zugang zu öffentlichen Ämtern, die Verteilung von Stellen und die politische Vertretung der deutsch‑ und italienisch‑sprachigen Bevölkerung standen ebenfalls im Fokus.
Abschließend verglichen Verfassungsrechtler Robert Louvin und Vertreter europäischer Minderheitenorganisationen das Südtiroler Modell mit anderen autonomen Regionen. Die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer sah das Abkommen trotz neuer Herausforderungen als tragfähige Grundlage, forderte jedoch konsequente Modernisierung und stärkere europäische Unterstützung.
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