Raumordnungsreform lockert Bauverbot, gefährdet Südtiroler Landschaft und bedroht historischen Stadtkern11 / 09 / 2026 | Robert
Der Heimatpflegeverband kritisiert die geplanten Änderungen, die neue Kubatur belohnen und den Erhalt von Bestandsgebäuden benachteiligen.
Der Landtag von Südtirol steht heute vor der Abstimmung über Gesetzentwurf Nr. 75/26, der das Raum‑ und Landschaftsgesetz grundlegend ändern soll. Laut Befürwortern sollen neue Baurechte im Grünen geschaffen werden, während innerhalb der Siedlungsgrenzen Abrisse leichter zulässig werden. Kritiker sehen darin jedoch ein doppeltes Problem: mehr Flächenverbrauch, weniger Naturschutz und ein verwässertes Ortsbild.
Besonders umstritten sind Artikel 2 bis 5 des Entwurfs. Artikel 2 lockert das Bauverbot, erlaubt unterirdische Parkplätze bis zu 40 Meter vom Gebäude und erweitert die zulässige Kubatur: jedes Gebäude darf künftig bis zu 300 m³ Wohnraum auf 1 000 m³ Gesamtvolumen ausbauen. Artikel 4 eröffnet eine Salamitaktik, indem zusätzliche Baurechte auch außerhalb des festgelegten Siedlungsgebiets geschaffen werden können. Gleichzeitig definiert Artikel 18 den Abriss und Wiederaufbau mit veränderten Fassaden und Grundrissen als „bauliche Umgestaltung“ – rechtlich also als Sanierung, die mit Kubaturboni belohnt wird.
Der Heimatpflegeverband Südtirol fordert das Streichen von Artikel 2 und 4 Absatz 2 sowie eine Neufassung von Artikel 3, damit keine Baurechte außerhalb der Siedlungsgrenzen entstehen. In Artikel 18 sollen Ensembles und Landschaftsschutzgebiete ausdrücklich vom Umbau ausgenommen werden, um die bereits vorhandene graue Energie und das kulturelle Erbe zu bewahren. Der Verband warnt, dass das aktuelle Modell den Abriss finanziell attraktiver macht und damit das erklärte Ziel, auf Gebautem zu bauen, untergräbt.
Sollte der Entwurf unverändert verabschiedet werden, könnten künftig weitere Grünflächen für Wohnungsneubau genutzt und historische Bausubstanz systematisch zerstört werden. Die Debatte verdeutlicht den wachsenden Konflikt zwischen kurzfristigem Wirtschaftsdruck und langfristigem Naturschutz – ein Thema, das Südtirol künftig stark beschäftigen wird.
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