Südtirols Nahversorgung: Warnsignal aus Österreich und neue Förderperspektiven15 / 10 / 2026 | Robert
Die alarmierenden Zahlen aus Österreich zeigen Handlungsbedarf; Südtirol stärkt ländliche und städtische Nahversorger durch erweiterte Förderprogramme
Ein Blick nach Österreich offenbart ein besorgniserregendes Bild: In 401 Gemeinden fehlt ein eigener Lebensmittel‑Nahversorger – das entspricht fast jeder fünften Gemeinde. Besonders in Ortschaften mit weniger als 500 Einwohnern sind es 72 % ohne lokales Angebot, was rund 423 000 Menschen betrifft, fast so viele wie Südtirol ohne Bozen.
Für den Wirtschaftsverband hds ist das ein deutliches Warnsignal. Präsident Philipp Moser betont, dass die österreichische Realität ein Weckruf für Südtirol sei: Nahversorgung darf nicht als selbstverständlich gelten, sondern muss proaktiv gesichert werden. Südtirol habe bereits frühzeitig Fördermaßnahmen für kleine Lebensmittelgeschäfte im ländlichen Raum etabliert und damit lokale Wertschöpfung und Lebensqualität gestärkt. Diese Maßnahmen haben bereits dazu geführt, dass mehr als 30 neue Geschäfte eröffnet wurden und die Fahrzeiten zu Einkaufsmöglichkeiten um durchschnittlich 12 Minuten gesenkt wurden.
Die jüngste Ankündigung des Wirtschaftslandesrats Marco Galateo, die Förderprogramme ab 2027 auch auf Stadtviertel auszudehnen, wird vom hds ausdrücklich begrüßt. Für Bozen sind rund eine Million Euro vorgesehen, um Investitionsanreize zu schaffen und Betriebsübergaben zu unterstützen. Auch andere Südtiroler Städte sollen von den Mitteln profitieren und damit leerstehende Ladenlokale verhindern. Zusätzlich sollen digitale Plattformen gefördert werden, die lokale Produzenten mit Konsumenten vernetzen und so die regionale Wirtschaft weiter stärken.
Der hds will sich aktiv in die Ausarbeitung einbringen, um praxisnahe, unbürokratische Lösungen zu entwickeln. Moser warnt: Ein geschlossenes Geschäft lässt sich leicht rückgängig machen, der Verlust an Lebensqualität nicht. Deshalb müsse die Nahversorgung jetzt gestärkt werden, damit Dörfer und Stadtviertel auch künftig lebendig bleiben.
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