Am Montag 8. Dezember , kamen etwa 2.000 Menschen in St. Pauls zusammen, um den Todestag von Sepp Kerschbaumer zu gedenken und die Tiroler Freiheitskämpfer der 1950er- und 1960er-Jahre zu ehren. Dabei ging es um Freiheit, Menschenrechte und Selbstbestimmung sowie um eine wichtige Zeit der Tiroler Geschichte.
Die Feier begann mit der Vorstellung der Formationen und dem Vorbeimarsch durch Bürgermeister Lorenz Ebner und die Landeskommandanten Mjr. Christoph Schmid, Mjr. Thomas Saurer und Mjr. Umberto Facchinelli sowie Roland Lang vom Südtiroler Heimatbund. Die Musikkapelle St. Pauls begleitete die Teilnehmer zum Gottesdienst im „Dom am Lande“. Pater Reinald Romaner OFM betonte in seiner Predigt das Vorbild Sepp Kerschbaumers, dessen Haltung und Mut bis heute Orientierung bieten.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Rede des Strafverteidigers und Menschenrechtsexperten Dr. Nicola Canestrini, Ehrenkranzträger des SSB. Er forderte eine gründliche Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen an Südtiroler Häftlingen in den 1950er- und 1960er-Jahren und erinnerte daran, dass viele Opfer Folter und Misshandlungen erlebt haben, während Italien keine Verantwortung übernahm. Canestrinis Hauptaussage: „Ein demokratischer Staat zeigt Größe, wenn er seine eigenen Handlungen überprüft. Das Fehlen einer juristischen Aufarbeitung bleibt ein Schatten über dem Rechtsstaat. Menschenrechte müssen immer respektiert werden und dürfen nie politischen Interessen geopfert werden.“
Landeskommandant Christoph Schmid betonte die Wichtigkeit, staatliches Handeln kritisch zu hinterfragen. Er erwähnte den Fall Luis Amplatz, dessen strafrechtliche Aufarbeitung durch eine Änderung der italienischen Strafprozessordnung blockiert wurde. Schmid fasste seinen Appell in drei Punkten zusammen: Rechtsstaatlichkeit, Wahrheit und Menschenrechte sind unverhandelbare Werte. Die Politik in Südtirol muss den Mut haben, Unrecht offen zu benennen, ohne zu taktiieren oder sich anzubiedern. Das Ziel der Selbstbestimmung bleibt ein Auftrag aus dem Erbe der Freiheitskämpfer. Schmid warnte vor Lethargie, Gleichgültigkeit und gefährlichen Allianzen in Rom, die eine Bedrohung für die Minderheit darstellen könnten.
Wir stehen heute hier, um an die Menschen zu erinnern, die ihr Leben verloren haben, weil sie eine bessere Zukunft für Tirol wollten. Ehre ihrem Andenken. Ehre für Tirol.
Am Grab von Sepp Kerschbaumer spielte die Musikkapelle St. Pauls das Lied „Guten Kameraden“. Die Ehrensalve wurde von der Schützenkompanie „Sepp Kerschbaumer“ Eppan unter Hauptmann Maximilian Schmid abgefeuert. Das Gedenken wurde mit der Kranzniederlegung und den Nationalhymnen von Tirol und Österreich abschlossen.
