Steger fordert Aufklärung über faschistische Briefmarke06 / 08 / 2024
Poste Italiane hat kürzlich eine Briefmarke herausgegeben, die ein Portrait von Giovanni Gentile zeigt. SVP-Obmann Dieter Steger äußert sich dazu deutlich: „Die Aufarbeitung des Faschismus in Italien bleibt grundsätzlich unzureichend. Es gibt immer noch eine Tendenz zur Relativierung und Idealisierung dieser Vergangenheit. Diese Briefmarke ist ein weiterer bedauerlicher Ausdruck dieser Problematik.“

„Erwarte klare Distanzierung von der Regierung“
SVP-Obmann Dieter Steger äußert sich deutlich: „Ob Mussolini-Wein oder jetzt Briefmarken – solche Dinge sind keine bloßen Geschmacksverirrungen, sondern schlichtweg unerträglich und absolut inakzeptabel.“ Steger kündigt an, in Rom gegen diese Problematik vorzugehen. „Ich werde eine Anfrage in der Kammer stellen, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist, und ich erwarte eine eindeutige Distanzierung der Regierung.“
„Eine Beleidigung für Südtirol und seine Geschichte“
Auch Julia Unterberger, SVP-Senatorin und Präsidentin der Autonomiegruppe, zeigt sich empört: „Die Briefmarke, die Giovanni Gentile ehrt, dessen Schulreform eine wesentliche Grundlage für die Zwangsitalienisierung Südtirols während des Faschismus bildete, ist erschütternd.“
„Gentile war der Bildungsminister, der während des Faschismus das Verbot der deutschen Sprache in den Südtiroler Schulen durchsetzte.“
„Ein Affront gegen Südtirol“
Die Kinder wurden gezwungen, ihre Muttersprache aufzugeben und in einer ihnen fremden Sprache zu lernen. „Dies führte zur Entstehung geheimer Schulen, den sogenannten Katakombenschulen,“ erläutert Unterberger. „Viele Frauen, darunter auch meine Großmutter, unterrichteten dort heimlich Deutsch, oft unter Lebensgefahr, und viele von ihnen wurden verhaftet.“
Obwohl Gentile eine komplexe Persönlichkeit war, betont die Senatorin, dass er aktiv mit dem faschistischen Regime zusammenarbeitete und eine führende Rolle bei dem Versuch spielte, die deutsche Minderheit zu unterdrücken. „Ihn mit einer Briefmarke zu ehren, ist eine direkte Beleidigung für Südtirol.“
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