Agrar- und Forstbericht 2023: Blick in Wald, Stall und Felder10 / 08 / 2024

Darkmode
◄ Zurück zur Übersicht

Agrar- und Forstbericht 2023: Blick in Wald, Stall und Felder10 / 08 / 2024

Südtirol ist wie ein vielfältiger Garten, in dem Äpfel, Beeren, Fichten, Bonsai, Bienen und Ochsen gedeihen, in dem jedoch auch ungebetene Gäste ihren Platz finden. Die entsprechenden Zahlen dazu sind im Agrar- und Forstbericht aufgeführt.

Der Agrar- und Forstbericht ist die Jahresbilanz der Bereiche Land- und Forstwirtschaft. Heute (9. August) haben (von links) Landesrat Luis Walcher, Abteilungsdirektor Günther Unterhtiner, Michael Oberhuber (Versuchszentrum Laimburg, versteckt), Stefano Endrizzi (Pflanzenschutzdienst), Peter Mair (Berufsschulen), Andreas Agreiter (Agentur Domäne) und Hannes Schuler (Freie Uni Bozen) am Griesbauerhof in Rentsch vorgestellt. (Foto: LPA/Greta Stuefer)

Südtirol, bekannt für seine Fichten, Lagrein, Golden Delicious Äpfel und Rinder, ist auch ein Land der Erdbeeren, Kartoffeln, Geflügel, Forellen und Blumen. „Die Landwirtschaft in Südtirol ist vielfältig, mit einem großen Angebot an Arten und Sorten, wobei der Fokus auf autochthonen Sorten liegt“, erklärt Land- und Forstwirtschaftslandesrat Luis Walcher. Der Agrar- und Forstbericht 2023, der heute (9. August) vorgestellt wurde, umfasst über 200 Seiten.

Ergebnisse und Herausforderungen

Im Jahr 2023 konnte die Milchwirtschaft einen Anstieg des Auszahlungspreises auf 68 Cent pro Kilogramm verzeichnen. Dennoch bleibt die Situation herausfordernd, da jährlich etwa 100 Milchbauern ihre Betriebe aufgeben. Die Apfelernte überschritt erstmals wieder die Million-Tonnen-Marke, und auch der Weinbau war erfolgreich mit einer Ernte von 511.000 Dezitonnen und insgesamt 328.943 Hektolitern Wein. Auch in der Viehwirtschaft sind die Auszahlungspreise zufriedenstellend.

Dennoch gibt es Sorgen. Probleme wie die goldgelbe Vergilbung im Weinbau, die Kirschessigfliege bei Beeren und Kernobst, die marmorierte Baumwanze im Obstbau, die Varroa-Milbe in der Imkerei, invasive Pflanzenarten wie der Götterbaum, Bär und Wolf sowie der Borkenkäfer belasten die Landwirtschaft. „Der Borkenkäfer bleibt ein Problem; in diesem Jahr wurden 4000 Hektar neu befallen, ein Drittel weniger als im Vorjahr. Es gibt Hoffnung, dass der Höhepunkt des Befalls überschritten ist“, berichtet Günther Unterthiner, Direktor der Landesabteilung Forstdienst. Im Jahr 2023 wurden drei Bären (M75, M84 und M107) und 39 Wölfe festgestellt, wobei die tatsächliche Anzahl der Wölfe vermutlich bei mindestens 78 liegt. Die Schäden durch Wölfe waren finanziell etwa zehnmal höher als die durch Bären, mit Entschädigungen von knapp 100.000 Euro für Wolfsschäden im Vergleich zu etwa 8.000 Euro für Bärenschäden. „Wir arbeiten daran, den Schutzstatus der Wölfe zu reduzieren und unterstützen die Landwirte bei ihren Herausforderungen“, so Walcher.

Blumen- und Gärtnereisektor

Südtirol ist auch im Bereich der Gärtnereien breit aufgestellt. Auf 70 Hektar wurden 60 Millionen Blumen und Zierpflanzen, 23 Millionen Gemüsejungpflanzen, eine Million Sukkulenten und 2,7 Millionen Heilpflanzen produziert. Nischenbereiche sind die Zucht von Seerosen, Wasserpflanzen, Orchideen und Bonsais, berichtet Stefano Endrizzi vom Pflanzenschutzdienst.

Fischzucht und Forschung

Das Aquatische Artenschutzzentrum konzentriert sich auf den Erhalt heimischer Fischarten, insbesondere der Marmorierten Forelle. „Da klassische Fischzucht die Gefahr der Domestizierung und Hybridisierung birgt, setzen wir auf genetische Untersuchungen und innovative Haltungsmethoden, die natürliche Lebensbedingungen simulieren“, erklärt Andreas Agreiter, stellvertretender Direktor der Agentur Landesdomäne. Im Herbst 2023 wurde ein wichtiger Fortschritt erzielt: 150.000 Forelleneier wurden im Zentrum abgestreift. Neben der Forelle werden auch Äschen und Dohlenkrebse gefördert.

Dank des Versuchszentrums Laimburg arbeiten Landwirte auf wissenschaftlicher Basis. „Wir haben erste Erfolge bei der biologischen Bekämpfung der Kirschessigfliege“, berichtet Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums. Nach der ersten Freisetzung der Schlupfwespe vor drei Jahren zeigt sich bereits ein Ansiedlungspotential.

Bildung und Weiterbildung

An den Fachschulen für Landwirtschaft und Hauswirtschaft in Südtirol ist die Nachfrage nach landwirtschaftlicher Aus- und Weiterbildung seit über zehn Jahren konstant hoch. Etwa 1.000 Schüler sind an den neun Fachschulen eingeschrieben, berichtet Paul Mair, Vize-Direktor der Deutschen Berufsbildung.

Offizielle Pressepartner