Sensible Brutphase: Bartgeier reagieren stark auf Störungen04 / 04 / 2026
Ein verendetes Bartgeierküken bei Schloss Juval schlägt Wellen. Jüngste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine unbedachte Annäherung durch einen Naturfotografen die Altvögel in die Flucht schlug – mit fatalen Folgen für den sensiblen Nachwuchs.

Der Bartgeier gehört zu den seltensten und imposantesten Brutvögeln im gesamten Alpenraum. Mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern ist er eine absolut beeindruckende Erscheinung. Doch wie empfindlich diese majestätischen Tiere während der Aufzuchtzeit sind, zeigt nun ein trauriger Vorfall im Vinschgau. Nahe Schloss Juval ist kürzlich ein Bartgeierküken verendet, weil die Altvögel den heimischen Horst fluchtartig verlassen mussten.
Der Tod des Jungvogels hat in den vergangenen Tagen für reichlich Diskussionen gesorgt. Nach aktuellen Erkenntnissen gibt es nun eine sehr wahrscheinliche Erklärung für den Vorfall: Ein Naturfotograf soll sich auf der Jagd nach einem guten Bild unbedacht dem Horst angenähert und die Vögel gestört haben. Zwei Jagdaufseher konnten entsprechende Beobachtungen aus ihrer Perspektive bestätigen. Für die Altvögel bedeutete diese menschliche Präsenz offenbar massiven Stress, weshalb sie das Weite suchten und ihren Nachwuchs ungeschützt zurückließen.
Der Fall verdeutlicht die extreme Empfindlichkeit der Art während der Brutzeit. Wenn Eier oder junge Küken ohne elterlichen Schutz im Horst verbleiben, sind sie extrem gefährdet. Sie kühlen in der rauen Umgebungsluft extrem rasch aus, verhungern oder fallen anderen Raubvögeln zum Opfer. Gerade unerfahrene Brutpaare tun sich laut Experten schwer damit, unvorhersehbare Störungen auszugleichen. Selbst kurze Beunruhigungen durch unvorhersehbare Einflüsse im unmittelbaren Horstumfeld können weitreichende Konsequenzen haben und den gesamten Bruterfolg zunichtemachen.
Anfängliche Spekulationen, ein Hubschrauberflug der Forstbehörde könne für das Verlassen des Horstes verantwortlich gewesen sein, wurden derweil entkräftet. Der angeprangerte Flug fand bereits elf Tage vor dem Vorfall statt und scheidet somit als Auslöser aus. Fest steht: Die Altvögel verließen das Nest erst nach der mutmaßlichen Annäherung des Fotografen.
Für den Erhalt der ohnehin knappen Population im Alpenraum ist jeder verlorene Jungvogel ein herber Rückschlag. Bartgeier brüten mitten im Winter und ziehen pro Jahr in der Regel nur ein einziges Küken auf, weshalb jeder noch so kleine Verlust stark ins Gewicht fällt. Die Behörden appellieren deshalb eindringlich an alle Naturfreunde: Die Faszination für spektakuläre Foto- und Filmaufnahmen darf niemals über dem Schutz der Tiere stehen. Gerade in der sensiblen Brutphase ist absolute Zurückhaltung und ausreichend Abstand das oberste Gebot.
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