Mutterschaft bleibt Karriere-Killer: Südtirol fordert echte Chancengleichheit in Unternehmen17 / 09 / 2026 | Robert
Trotz rechtlicher Fortschritte führen Mutterschaft, Pflege und Betreuungsaufgaben nach wie vor zu beruflichen Nachteilen für Frauen in Südtirol
Am 16. September feierte Südtirol den Tag der Chancengleichheit. Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer nutzte die Gelegenheit, um zu betonen, dass formale Gleichstellung nicht reicht, solange Mutterschaft, Betreuungs‑ oder Pflegeverantwortung noch zu beruflichen Nachteilen führen. Die Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt verzeichnete 2025 insgesamt 869 Kündigungen von Müttern im ersten Lebensjahr ihres Kindes – ein klares Signal, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch immer ein Problem darstellt.
Besonders prekär ist die Lage von Frauen in befristeten Arbeitsverhältnissen. Nach dem Mutterschaftsurlaub wird häufig die bisherige Stelle neu vergeben oder ein befristeter Auftrag nicht verlängert, ohne dass ein klarer Zusammenhang nachgewiesen werden kann. Gleichzeitig tragen immer mehr Menschen zur sogenannten Sandwich‑Generation bei, indem sie Kinder und pflegebedürftige Angehörige betreuen. Diese Care‑Arbeit liegt nach wie vor überwiegend in Frauenhand und erfordert eine ausgebaut‑e Betreuungs‑ und Pflegeinfrastruktur, die nicht als private Aufgabe der Familien abgetan werden darf.
Aus wirtschaftlicher Sicht kann Südtirol es sich nicht leisten, die Qualifikationen von Frauen zu verlieren, wenn gleichzeitig Fachkräftemangel beklagt wird. Unternehmen seien gefordert, transparente Entlohnung, flexible Arbeitsmodelle und eine inklusive Unternehmenskultur zu etablieren. Die Tagung „Gleichstellung in der Arbeitswelt“ am 1. Oktober in der Handelskammer Bozen bietet praxisnahe Instrumente wie Zertifizierung und Entgelttransparenz, um diese Ziele systematisch umzusetzen.
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