Zweisprachigkeitsbetrug im Südtiroler Gesundheitswesen: Wie Geld und Macht das System manipulieren19 / 09 / 2026 | Robert
Hundertfach höhere Vermittlungsgebühren, gefälschte Telc-Zertifikate und drohende Zulagen für Krankenhaus- und Polizeipersonal, die den Bewerbungsprozess verzerren
Die Bozner Staatsanwaltschaft hat über 1.700 zweisprachige Nachweise ins Visier genommen, die zwischen 2020 und 2026 von drei Telc‑Schulen in Rom und Caserta ausgestellt wurden. Ermittlungen richten sich nun nicht nur gegen die Schulen, sondern vor allem gegen die Personen, die Kandidaten an diese Institutionen vermittelt haben.
Ein mutmaßlicher Vermittler aus Südtirol schilderte, dass er für die Vermittlung an die Telc‑Schulen hohe Gebühren verlangte. Als Beispiel nannte er eine Psychologin, die für einen B2‑Nachweis 850 Euro zahlte – das Fünf‑ bis Siebenfache des regulären Prüfungsbetrags. Besonders das Krankenhauspersonal und Angehörige der Ordnungskräfte suchten das Zertifikat, weil es mit einer monatlichen Zulage von 100 bis 150 Euro verbunden ist.
Die Finanzpolizei durchsuchte Ende Juli das Umfeld des Bozner Krankenhauses und beschlagnahmte ein Notizbuch mit Namen zahlreicher Kunden. Während die gefälschten Zertifikate tatsächlich die Stempel akkreditierter Telc‑Schulen tragen, wird nun vermutet, dass Prüfungen manipuliert oder gar nicht abgelegt wurden. Die Ermittler stehen vor der Herausforderung, Beweise zu sichern, da laut dem Beschuldigten keine Aufzeichnungen aus den Prüfungssälen existieren. Mindestens zwanzig Polizisten könnten von den zweifelhaften Nachweisen betroffen sein, was das Vertrauen in das System weiter erschüttert.
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