Galgenbichl: Frühzeitliches Dorfleben vor 2500 Jahren im Pustertal enthüllt26 / 09 / 2026 | Robert
Archäologen entdecken über dreißig Häuser, Werkzeuge und einen besonderen Kinderschauplatz, die das Alltags- und Sozialleben der Eisenzeit zeigen.
Bei den Bauarbeiten für eine neue Einfahrt nach Antholz und Olang stießen die Archäologen im Februar auf ein außergewöhnliches Fenster in die Frühgeschichte Südtirols. Am Galgenbichl in Niederrasen, einem Hang im Pustertal, laufen seit Monaten systematische Ausgrabungen, die nun kurz vor dem Abschluss stehen. Zum ersten Mal wurde in der Region eine eisenzeitliche Siedlung dieser Größe vollständig untersucht, wobei mehr als dreißig Häuser freigelegt wurden.
Die Funde geben ein lebendiges Bild des Alltags: Werkzeuge zum Weben und Spinnen, Bronzeverarbeitung, Mahlsteine und zahlreiche Tierknochen, vor allem Rinder, wurden entdeckt. Die Häufigkeit der Rinderknochen deutet auf einen relativ wohlhabenden Lebensstandard hin, während die Vielfalt der Werkzeuge die handwerkliche Spezialisierung der Bewohner unterstreicht. Durch die Lage im Pustertal hatten die Siedler engen Kontakt zum venetischen Raum, was sich in Handelsgütern und kulturellen Einflüssen widerspiegelt. Die Analyse der Knochen zeigte zudem, dass neben Rindern auch Schafe und Ziegen gehalten wurden.
Besonders eindrucksvoll ist der kleine Begräbnisplatz, auf dem ausschließlich Kleinkinder beigesetzt wurden – ein Hinweis auf besondere Rituale und die hohe Kindersterblichkeit von 20 bis 35 Prozent. Im Gegensatz zu den benachbarten Brandgräbern wurden die Kinder hier nicht verbrannt, sondern in Erde gelegt. Landesrat Philipp Achammer betont, dass solche Funde zeigen, wie Geschichte unmittelbar unter unseren Füßen liegt und das Pustertal nun zu den Schlüsselregionen der alpinen Eisenzeitforschung gehört.
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