Gefängnis an Stars04 / 11 / 2026  |  HITRADIO SÜDTIROL Torggler Sigi

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Gefängnis an Stars<span class="hitradio-master-datum">04 / 11 / 2026  |  HITRADIO SÜDTIROL Torggler Sigi</span>

Titel:Filmemachen im Fadenkreuz: Regisseur Jafar Panahi droht im Iran erneut das Gefängnis
Ressort: Kultur / Ausland


TEHERAN / CANNES. Der international gefeierte iranische Regisseur Jafar Panahi steht vor einer ungewissen und gefährlichen Zukunft. Wie erst kürzlich bekannt wurde, verurteilte ein Revolutionsgericht in Teheran den 66-jährigen Filmemacher in Abwesenheit zu einer neuen Haftstrafe von fünf Jahren und einem Monat. Das Urteil ist der jüngste Höhepunkt in einem jahrzehntelangen, erbitterten Konflikt zwischen dem regimekritischen Künstler und den Justizbehörden der Islamischen Republik.

Panahi, der zu den bedeutendsten Vertretern des modernen Weltkinos zählt, erfuhr auf drastische Weise von seiner Verurteilung: Ende Oktober wurden ohne Vorwarnung all seine Bankkonten gesperrt und sein Vermögen beschlagnahmt. Nachforschungen seines Anwalts Mostafa Nili bei der Staatsanwaltschaft brachten schließlich Gewissheit über den geheimen Prozess. Das Gericht hatte das Verfahren mit der Begründung geführt, Panahi halte sich im Ausland auf – dabei war der Regisseur bereits im vergangenen April nach einer internationalen Werbekampagne freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt.

Die Goldene Palme als Beweismittel

Auslöser für die neue Welle der Verfolgung ist Panahis jüngster Triumph beim Filmfestival in Cannes im Jahr 2025. Trotz eines seit 2010 bestehenden offiziellen Berufs- und Drehverbots gelang es ihm, das Drama Ein einfacher Unfall (It Was Just an Accident) heimlich im Iran zu inszenieren und das Filmmaterial außer Landes zu schmuggeln. Die Jury in Cannes zeichnete das Werk mit der begehrten Goldenen Palme aus.

Für das Teheraner Regime gilt diese internationale Anerkennung als offene Provokation. Die Justiz nutzte den Film prompt als Beweismittel und legte Panahi das Vergehen der „Propaganda gegen das System“ zur Last. Bereits vor der jetzigen Verurteilung war er deswegen zu einem Jahr Haft verurteilt worden; das neue Urteil verschärft die Strafe nun drastisch und sieht zudem eine zweijährige Ausreisesperre nach Verbüßung der Haft vor.

Ein Leben in der Grauzone der Repression

Bislang wurde Panahi nicht verhaftet oder in ein Gefängnis überführt. Da das Urteil in Abwesenheit gefällt wurde, befindet sich der Regisseur vorerst auf freiem Fuß – doch das Damoklesschwert der Vollstreckung schwebt täglich über ihm. Es wäre nicht sein erster Aufenthalt hinter Gittern: Zuletzt saß Panahi von Juli 2022 bis Februar 2023 im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran ein, ehe er nach einem Hungerstreik auf Kaution entlassen wurde.

Panahis Schicksal wirft erneut ein Schlaglicht auf die systematische Unterdrückung der Kulturszene im Iran. Während internationale Filmgemeinschaften und Menschenrechtsorganisationen regelmäßig seine Freilassung und das Ende der Schikanen fordern, nutzt die iranische Führung den prominenten Filmemacher als Exempel, um die Grenzen der künstlerischen Freiheit im Land unmissverständlich aufzuzeigen.

Sein Anwalt hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen das In-Abwesenheit-Urteil einzuleiten. Ob die Justiz die Haftstrafe in den kommenden Wochen tatsächlich vollstreckt, bleibt jedoch eine Frage des politischen Willens eines unberechenbaren Regimes.


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